Der Tagesspiegel:

Historische Kommission der SPD Fehlendes Geschichtsbewusstsein bei Andrea Nahles

 

Die Historische Kommission hat für die SPD eine hohe symbolische Bedeutung - nun wird sie einfach abgeschafft. Ein Kommentar.

 

 

Die SPD hat ihre Historische Kommission (HiKo) aufgelöst. Parteichefin Andrea Nahles hat ihre Abschaffung jüngst verfügt und nicht einmal der Bekanntmachung für wert befunden. Für sich genommen, auch mit Blick auf ihre spärlicher gewordenen Aktivitäten, mag das Ende der HiKo nebensächlich erscheinen. Es ist nur mehr symbolischer Natur – aber genau darin liegt die Bedeutung: Das Symbol besagt, dass die heutige SPD, dass jedenfalls ihre Spitzenkräfte keinerlei Geschichtsbewusstsein mehr pflegen wollen. Das ist, exakt 100 Jahre nach der deutschen Revolution, in der die SPD – zusammen mit ihrer Abspaltung USPD – die höchst rühmliche Rolle als eigentliche Geburtshelferin der Weimarer Republik gespielt hat, ein fatales Zeichen. Damals stand die SPD im Zenit ihrer historischen Bedeutung: Sie verhinderte, dass Deutschland nach dem Weltkrieg im Bürgerkrieg versank. Heute ist ihr die HiKo lästig. Begründet übrigens wurde die Kommission1981 von SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz unter dem Parteivorsitz von Willy Brandt. Allein diese Konstellation sagt genug über den beiläufigen Schlussstrich von Andrea Nahles. Das Ende der SPD als Volkspartei, überhaupt als politischer Kraft ist näher denn je. Ausgerechnet da will sie von ihrer Geschichte nichts mehr wissen.